"Danke," sagte DJ Ruthless und knöpfte seine Levi's zu. Melany wusch sich den Mund am Wasserhahn aus und verliess die kleine Küche hinter der Bar in Richtung Tanzfläche. Eigentlich hatte sie gar keine grosse Lust mehr, den Rest der Nacht im Elephant zu verbringen, aber sie wollte auch nicht einfach alleine zurück nach Winterthur fahren. Sie seufzte und suchte sich einen Barsessel neben einem Mann aus, der einigermassen überzeugend wirkte.
Frank und Peter waren gemeinsam unterwegs. Peter mochte das. Seit er auf Probe von Annika getrennt war, war er süchtig nach Ausgang. Und wer konnte ihn besser wieder ins Single-Leben einführen als der Mann, der es auch während einer Beziehung praktizierte? Eben. Frank hingegen war sich eigentlich gewöhnt, dies alleine zu tun. Zeugen waren ihm immer ein Greuel gewesen. Er wusste, dass er kein schlechtes Gewissen hatte, aber bei anderen Menschen konnte man einfach nicht davon ausgehen. "Bolero?" fragte Frank. Peter schüttelte den Kopf. "In den Osten!" schlug er vor. Frank fand das zwar keine so gute Idee nach seinem letzten Erlebnis, aber er mochte nicht lange darüber diskutieren. Also nahmen sie den Zug.
"Darf ich dir…" fragte der Typ. Melany nickte, bevor er seinen Satz beenden konnte. "Vodka-Martini," sagte sie zur Bedienung. Dann liess sie die üblichen Fragen über sich ergehen, gab ihre üblichen Antworten und versetzte ihn in den Glauben, dass er eine Chance hatte, jedoch ohne gleich nachzugeben. So konnte sie ihm bei seinen Bemühungen zusehen, während sie wenig Alkohol und viel Fruchtsäfte auf seine Kosten trank. Sehr verwundert stellte sie nach zwei Stunden fest, dass der Mann, dessen Namen sie schon lange wieder vergessen hatte, mit der Bedienung abzog, welche sich ihm, als ihre Schicht geendet hatte, sofort an den Hals warf. Und danach hatte der Laden bloss noch eine weitere Stunde geöffnet, und die Überreste sagten Melany ganz und gar nicht zu.
Frank stand an einer der Bars im Elephant. Peter war mit irgendeiner Blonden vor über einer halben Stunde verschwunden, und mittlerweile glaubte Frank nicht mehr daran, dass er Peter an diesem Wochenende noch einmal sehen würde. Also blickte er sich nach Beischlafkandidatinnen um, bei welchen er möglicherweise übernachten konnte. Da sah er Melany. Und sie ihn. Für beide war das eine Art Schockerlebnis. Doch nach ein paar Augenblicken seufzten sie beide.
"Spielt doch eigentlich keine Rolle," meinte Melany nach einer Weile. "Du hättest bei irgendwem übernachtet, ich hätte irgendwen mit nach Hause genommen. Dann können wir auch gleich beides miteinander verbinden, nicht?" Frank nickte.
Als er später wach in Melanys Schlafzimmer lag und aus dem Fenster starrte, fühlte er sich schuldig. Nicht Rebekka gegenüber, sondern Melany. Er hatte das Gefühl, dass er aus Melany etwas gemacht hatte, was sie nicht hatte werden wollen. Dabei war es ihm doch lediglich darum gegangen, dass er das tun konnte, was er wollte. Er sprach Melany am Sonntagmittag darauf an. Doch sie lachte nur und meinte: "Nee, ich bin eigentlich ganz zufrieden damit, was du aus mir gemacht haben willst. Wenn es wohl auch einfacher wäre, hätte ich einen anderen Weg eingeschlagen, so bin ich doch froh über die Freiheit, welche du mir gezeigt hast. Ich kann mich später noch ändern," meinte sie. Frank bezweifelte das aus seiner eigenen Erfahrung. "Oder du gibst mir einfach die Schuld, wenn das nicht klappen sollte," meinte er.