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Höllentrip
von Horazio

In letzter Sekunde springe ich durch die gerade noch offenen Türen des 4er Busses und hänge mich an eine Stange nahe des Einganges.
 
Augenblicke später neigt sich das Gefährt zurück in die Horizontale, und die Busreise nimmt ihren Lauf.
 
Vorsichtig inspiziere ich mein Umfeld.
Dicht gedrängt stehen die Passagiere, kein Sitzplatz ist frei, ansonsten registriere ich nichts Ungewöhnliches.
Keine dicken, bauchfreien Mädchen, deren tiefen Näbel mich zu verschlingen drohen, keine unsicher vor sich hinwackelnden Steh-Rentner, keine übertrieben gesprächigen Hausfrauen, keine Sonderschulkinder, die mir ihre Poppel zeigen möchten.
 
Nichts!
Ich bin erleichtert, atme tief durch.
 
Doch Sie ahnen es bereits, es ist nicht weit her mit dieser Friedsamkeit. Ich erkenne deren Ende schon aus grosser Distanz. Selbstsicher steht sie an der nächsten Haltestelle bereit.
Das gefürchteste aller Buszusteigeobjekte, der Schrecken aller kriegsunversehrten, zweiarmigen Junggesellen:
 
EINE REISELUSTIGE MUTTER MIT KINDERWAGEN!


Spontan schütte ich mir ein paar Liter Adrenalin in den Kreislauf.
Was nun? Wohin?
Sich die Pulsadern aufbeissen und blutüberströmt zusammenbrechen?
Einen epileptischen Anfall vortäuschen?
Was, wenn sie nun genau auf der Höhe meines Stehplatzes zusteigen möchte.
Was, wenn sie mich mitleidig anschaut und mit winselnder Stimme um Hilfe fleht?
 
Ich bin verloren.
Mein ganzes Leben zieht noch einmal an mir vorbei: In weisse Nebelschleier getüncht sehe ich meine Schwester, wie sie mich zu Weihnachten mit einer Alt-Blockflöte malträtiert, meinen Vater wie er mich zur Spitzkehre auf Langlaufskiern zwingt, den Moment der Erkenntnis, dass eine Vagina kein filigranes Schlitzchen, sondern eine Tretminen-Wunde ist.
Ich beginne zu wanken.

Und dann kommt der Bus zum Stillstand.
Die Pforten zur Hölle öffnen sich, und vor mir steht Sie, lehnt sich zurück, entdeckt die Liniennummer und winkt freundlich ab: "Ach, ich muss ja auf den 1er!"

Da hielt der heilige Christopherus aber seine schützende Hand über mich.
Man ist sich ja schon des Lebens nicht mehr sicher heutzutage.


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