Winterthur·Schaffhausen·ZH-Nord
Fotograf: Photoworkers.ch / Regina Photoworkers.ch
Model: Karin
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Ich, der Ruhestörer
Die Feiertage stehen an und die meisten Leute sind miesig drauf.
Wegen den vielen miesigen Leuten um sie herum, wegen dem dauertrüben Hochnebel, vom Feiertagestress, wegen wasauchimmer.
Bin ich eine Ausnahme, wenn ich aus Überzeugung sage: Mir geht es gut!?
Ich bin gesund.
Ich habe gute Freunde.
Ich kann meine Zeit einteilen und von meiner Arbeit leben.
Ich verdiene bei weitem mehr als viele Menschen auf dieser Welt, mehr als zwei Franken am Tag.
Ich kann mal einen Tag frei machen oder krank sein.
Wenn ich Ferien mache, kann ich woanders hinfahren oder fliegen.
Mit meinem Schweizer Pass komme ich über jede Grenze und auch wieder nach Hause.
Ich kann täglich essen und mir im Laden aussuchen, ob ich die Billiglinie oder ökologische Produkte kaufe.
Ich lebe in einer Villa Kunterbunt, optisch und zwischenmenschlich. Sie ist gemütlich, günstig und um Welten besser als eine selbstgezimmerte Hütte, ein Zelt oder eine Brücke.
Ich bin in drei Minuten mit dem Velo in der Stadt und in zwanzig Minuten mit dem Zug am See.
Ich habe zwei Autos, eins nur zum Spass.
Ich kann das Wasser, mit dem ich mich wasche, sogar trinken.
Ich muss es nicht holen, es kommt aus der Wand.
Ich muss nicht vor dem Wetter fliehen, aber ich kann dem Nebel entfliehen, in die Berge oder ans Meer fahren.
Ich kann Sonne tanken, den Schnee oder Strand geniessen, was trinken, die Seele baumeln lassen.
Ich kann besinnlich werden, einem Gott meiner Wahl danken, leise oder laut.
Ich kann jederzeit sagen und schreiben, was ich denke oder fühle.
Ich werde nicht gedemütigt, verfolgt, geschlagen, diffamiert, ausgegrenzt, erpresst oder ausgenutzt. Muss keine Willkür, keine Repressionen, keine Gewalt und keinen Druck erdulden.
Ich darf also auch dieses Jahr sagen:
“Danke, mir geht es gut!”
Bin ich damit ein Ruhestörer?
Einige ähnliche Gedanken habe ich schon mal vor einigen Jahren geschrieben.
Es hat sich nichts geändert. Mich berührt vieles, aber kaum etwas betrifft mich.
Das Einzige, was sich bei mir seither geändert hat, ist meine Ungeduld gegenüber den Jammeris.
Was ist deren wirkliches Problem?
Neid und Missgunst gegenüber denen, die (angeblich) erfolgreicher, schöner sind und sich mehr leisten (können).
Für viele zählt nur noch der schöne Schein, polierte Oberflächen, Hochglanz-Momentaufnahmen.
Und wenn das Leben mal etwas aus dem Takt gerät, sind diese Hamster im Laufrad sofort im Stress und geifern vor sich hin.
Ich hoffe, unsere Leser gehören zu den anderen, den Feier-Tage-Geniessern.
Und sehen sich als Ruhestörer.
Euch allen wünsche ich viel Spass beim Feiern und eine schöne Bescherung!
Bernhard
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