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Winterthur·Schaffhausen·ZH-Nord

Fotografie&Bearbeitung: Sandra Vincenti/
iVision.ch
Styling: Simone Zbinden/
bPerfect.ch
Model: Carole F./
model-carole-f.ch
 

FLEISCH

Was für ein provokatives Wort, wie es so allein als Titel dasteht.
Fleisch, da graust es dem Vegetarier.
Auch dem Tierfreund, wenn seine Lieblingstier-Gattung tot und kalt vor ihm liegt.
Pferdefleisch? Igitt!
Meerschweinchen? Wie traurig.
Schlangenfreunde ekeln sich vor asiatischen Reptilien-Rezepten, finden es aber völlig ok, Meerschweinchen an ihre Schlangen zu verfüttern.
Alles eine Frage der Einstellung.
Die Grillsaison ist bis kurz vor dem Albanifest ja eher ins Wasser gefallen.
Als Optimist denke ich aber, dass diesen Sommer doch noch einige schöne Abende zum grillieren und bräteln einladen werden.
Was ich in der Schweiz leider noch nicht gefunden habe, ist das spanische Chuletón, eine Art T-Bone Steak vom Rind.
Diese „Koteletts“ sind 700-900gr schwer und wenn sie gut gereift sind, einfach göttlich.
Ohne Marinade, nur mit grobem Meerschwei - äh, Meersalz und schwarzem Pfeffer würzen.
Ich habe Freunde, die hauen so ein Stück alleine rein. Da kommen die Neandertaler-Gene beim Grillieren und Verspeisen wieder zum Vorschein. Jaja, Männer sind Jäger, Frauen Sammlerinnen. Blabla.
Ich geb es zu: Ich weiss nicht, ob ich das Tier selber töten könnte. Ausnehmen und zubereiten kann ichs schon, damit habe ich kein Problem.
Sobald es kein lebendiges Tier mehr ist, hat sich meine Einstellung dazu geändert. So nebenbei, das ist wie mit den Haaren der Partnerin. Solange sie glänzend auf dem Kopf wachsen, sind sie schön, im Lavaboablauf eher nicht.
Letztes Jahr, an meinem Geburtstag, grillierten wir ein grosses Ferkel am Spiess. Die meisten der etwa 50 Gäste guckten entsetzt, als diese arme Sau kalt und bleich aufgespiesst angeliefert wurde. Als sie dann knusprig braun serviert wurde, waren alle begeistert und haben sie innert Kürze weggeputzt.
So sind wir Zivilisierten. Glauben, dass ein Poulet sechs Schenkel hat, weil es im Supermarkt so abgepackt ist.

Fleisch - auch an der Streetparade gibt es immer noch genügend davon. Auch wenn es immer mehr stark abgehangenes und überreifes davon gibt. Da ziehen sich Ü-40erinnen Höschen an, die würden sie nicht mal am Ballerman tragen, dazu pinke Kunstfell-Moonboots. Im schlimmsten Fall kommen sie sogar im Partnerlook mit ihren pummeligen Töchtern aus allen Tälern der Schweiz. Diese Frauengruppen sehen dann aus wie eine recyclierte Guggenmusik auf Speed.
Leider ist es oftmal so, je älter die Tänzerinnen sind, desto kleiner ist die Stoffmenge, die sie tragen. So zeigen sie Fleisch, das ich nicht mehr unbedingt so präsentiert sehen will. Fast schon ein Gammelfleisch-Skandal.
Sie feiern jetzt auch  nicht mehr mit bunten Pillen, sondern mit einer Bratwurst vom Stärnegrill und dazu Cola-Light.
Alles eine Frage der Einstellung.
Mahlzeit!

Bernhard

Chuletón



 



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